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Full text of "Mitteldeutsche Texte aus Breslauer Handschriften"

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KLAPPER, MITTELDEUTSCHE TEXTE AUS BRESLAUER HANDSCHRTFTEN 



MISZBLLEN. 

Mitteldeutsche texte ans Breslauer handschriften. 
1. 

Ave Maria. 

In Ph. Wackemagels Deutschem kircheulied II nr. 800 ist nnter dem titel 
Aue maria ans dem cod. ms. germ, quart 494, 15. jahrhundert der kgl. bibl. zu 
Berlin ein 63 strophen umfassendes gedicht veroffentlicht, das nach dem urteile des 
herausgebers hoheren alters zu aein schien. Der folgende text bestStigt die ver- 
mutung. Er ist der hs. I. Q. 269 der kgl. und universitatsbibliothek zu Breslau 
entnommen. Die pergamenths. ist ein sammelband, dessen erster teil bis bl. 59 
reicht und sermones de tempore enthalt mit dem anfange: Dominica prima in 
aduentu. Ecce rex tuus ueniet tibi Mat. In his verbis propositis dominus consolatur 
sanctos patres usw. ; die predigten sind im anfange des 13. jahrhunderts geschrieben, 
wie eine bemerknng auf bl. 57 rb ergibt, in Liegnitz; sie kamen spater in die bi- 
bliothek des Breslauer dominikanerklosters zu s. Adalbert. Auf dem letzten perga- 
mentblatte 59 r *> bis T i> trug eine gleichzeitige hand die ersten 25 strophen des aue 
maria ein. Bl. 59 T ist stellenweise bis zur unleserlichkeit abgerieben. Die verse 
sind abgesetzt. Das gedicht bietet die ursprunglichere lesart dem texte bei Wacker- 
nagel gegennber. Im folgenden sind Wackemagels strophenzahlen in klammern 
zugefugt, unleserliche stellen sind ans dem Berliner texte in klammern erganzt, 
die wichtigeren lesarten des Berliner textes sind in fussnoten zugesetzt, die ab- 
kiirznngen sind beibehalten. 

1. [W. II 
[bl. 59 rb ] Aue ma. an endis soil 
des lebens stam. d' engil spil. 
von h'czen ich dir ding teil. 
hilf m' vrouwe vS sudl d s ha ich. vil. 

2. [W. 2] 
a. ma'ya rose ane dorn. 

du hist m' zcu troste geborn. 

En kunegine hoch . geborn. 

hilf m' das ich icht te'de vorlorn. 

3. [W. 3] 
a. ma. gotis amme 

Lose mich. vs d" sudy clame 
Das mich dy tuwiUisen flame 
Nicht vorburne nock pordapne 

1, 2 lebens statn] lobs ein stam tmd 1, 4 vrouwe feblt von alien sunden 
2, 2 m'] vns geborn] vzerlcorn 2, 3 so hoch 2, 4 hilf ms das air nit warden 
3, 1 anne 3, 2 mich] vns 3, 3 mich] vns tuffelsche 

6* 



84 KLAPPER 

4. [fehlt W.] 
a. ma du salt sin 
En ganzcir trost des h'cze ml 
Ich byn eginlichin dyn. 
vor trip vor m' mis h'cze pin. 

5. [W. 4] 
a. reyne du 

von dyr vluzet m' gnade zcu 
Nu hist m' by spate vnd vru. 
so daz. nlm' missetu. 

6. [W. 5] 
aue (f gnadin en vollis vaz. 
von des himilz towe naz. 
Sich h' zcu m' vrouwe has 

. E mich . vor wunde des tuwilz. has 

7. [W. 6] 
a. du hist gegebyn 

dem sund' hy zcu eyme lebin 
Geruch vns gaz . vz . notl hebyn 
wen . w' in de tode swebe 

8. [W. seite 216 str. a der anm.] 
aue vil schone vfi clar 
an sell an lib gar lichtgeva' 
Swo ml selle misse var 
do mache sy schone vo sudin gar 

9. [W. 7] 
a. en trostfinne 

[59 *»] all s sund" en [helferinne] 
zcu himil en [geberinne] 
dir luchte [mir min herczin sinnej 

10. [W. 8] 
a. ml ged[inge] 

zcu gutin [werken mach mich geringe] 
alz . ich [mich nu von hinnen] swinge 
Do mich czu got[es lanjde bringe. 

5, 1 Aue Maria du reine du 5, 2 dir so m'J vns gnaden 5, 3 hist 
m'J ste vns 5, 4 zo fehlt daz wir 6, 1 Aue maria 6, 2 tauwen 6, 3 Nu 
sich juncfrou herczu baz 6, 4 mich] vns vberwinde 7, 3 Nu ger&ch gaz 
fehlt z& hcben 7, 4 swebe] sterben 8, 1 Aue maria vil fehlt 8, 2 licht- 
geva'] glich ware 8, 3 icor vnser synn misseborn 8, 4 do] die sy]vns vS] 
an gar] dare 9, 1 Aue maria en] du reine 9, 3 zcu] in dem 9, 4 dir 
luchte] iceluch 10, 1 Aue maria vnser 10, 3 ich] wir swingen 10, 4 Do] 
t& mich]vns lands] riche bringen 



MITTELDEUTSCHE TBXTE AUS BRESLAUER HANDSCHRIFTEN 86 

11. [W. 9] 

a. dir ist rndirtan 
alliz . daz got loben kan 
Dy seen daz wudir g'ne an 
Daz got mit dir hat getan. 

12. [W. 10] 
Aue . du sunne clar 
Mache mich vS suden bar 
Daz bit ieh dich ab ich tar 
E ich vz de ellende var 

13. [W. 11] 
A. cP engil don 

Lobet dich vo' dinis suniz tron 
Gib m' vrouice daz ecu lone 
Daz [ich hie leb] t zuchte scho 

14. [W. 12] 
A. (f gnade brunne 

gnadfen ist vilj vo dir gerunen 
Du bist schon' d[enn] di sunne 
vrowe minis herczen ivunne 

15. [W. 13] 
a. m. tugede vol 

ml crancheit dv d[ol] 
vO dint vrody te't m' wol 
als ich dich nu seen sal 

16. [W. seite 216 strophe b der anm.] 
A. m. mis h'czl umnne 
ich lobe dich himilkunigme 
Nu gib m' vrowe trostfinne 
Daz ich trost vo dir gewlne 

17. [W. 14] 
A. zcu allir vrist 
vbir alle schone schone du bist 
Du geVre vns den zuzin crist 
D" himil mit dir gezciret ist 

11, 3 Dy] Sie 12, 2 mich] vns bar] gar 12, 3 Daz bitten wir dich ob 
vir dorn 12, 4 E ich] so wir farn 13, 2 der lobet 13, 3 Nu gib vns juncfrou 
13, 4 wir hie leben 14, 1 Hn brunne 14, 2 der gnaden gerinne 14, 3 schon'] 
liehter denn] wann 14, 4 vrowe] maria 15, 1 du bist atter tugende 15, 2 mi] 
vnser gedolte 15, 3 von dienner freude so wirt vns wol 15, 4 ieh] wir sollen 
16, 1 mis] vnsers 16, 2 wir loben 16, 3 gib vns jungfrou 16, 4 ich] wir 

nu gewinn 17, 1 Aue maria 17, 2 schone du] du schcemte 17, 3 geberest 
ihesum crist 



18. [W. 15] 
[59 •*_/ a. [m&ter] vnd meyt 
dirweltiz vaz d s getheit 

en bilde en lere der vyzheit 
bis vrouwe zcu hilfe m' bereit 

19. [W. 16] 
A. vil licht vnd clar 

Dv bist zcu lobt zuse gar 
Noch dyr mit all' libe ich var 
vor send! hide mich bewar 

20. [W. 17] 
a. til lobelich 

Ich han zcu troste genotnl dich 
Din nam iz lobis rich 
In himil vnd vf ertrich 

21. [W. 18] 
a. mich behalt 

hilf m' daz ich tc*de gezcalt 
Mit den dy do dine gestalt 
Mit tugedyn z[in]gi manikvalt 

22. [W. 19] 
a. gotis zcart 

von din' engillischt art 
alh werlt irlozet wart 
beicar mich an der hyne vart 

23. [W. 20] 
a. dn bist vil reyne 

Min h'cze ist he[rte] alz eyn sten 
Czu guten werken trege vnd seyn 
Daz clage dyr [mit] heise [tveme] 

24. [W. 21] 
a. ma. muter zuse 

alle myne [sunde buze] 

daz ich hore muse 

ley dich d* engel [mit lobe] gruse 

18, 1 Aue maria m&ter vnde maget meit 18, 2 du irweltez 18, 4 bis 

juncfrou maria mir] vns 19, 1 Aue maria vil fehlt 19, 3 Nach dir nns 
aller liebe far 19, 4 o juncfrou maria vor grozem leit vns bewar 20, 1 Aue 

maria vil] du bist 20, 3 iz] der ist 21, 1 Aue maria mich] vns 21, 2 end 
hilf vns daz wir tverden 21, 3 do fehlt 21, 4 in tugent brisen 22, 1 Aue 

maria du 22, 2 engillischl] reinen kuschen 22, 4 bewar mich] nu behuet vns 

23, 1 Aue maria 23, 2 vnser hercze sin hert als der stein 23, 3 Der guten 
were aht wir chine 23, 4 Daz wende an vns z& du s&ze reme 24, 1 muter] 
du reine 24, 2 alie vnser store buze 24, 3 Hilf vns daz wir horen muzen 

24, 4 trie der engel dich mit lobe grusz 



MITTELDEUTSCHE TEXTE AUS BRESLAUER HANDSCHRIFTEN 87 

25. [W. 22.] 

a. mayt [vrouwe vijn 
Lose mich von den sUdin my 
Daz ich von der gute dyn 
mitze d> behaldir eyn* sin. 

2. 
Tom nntzen der XT paternoster. 

Die pergamenthandschrift I. Q. 234 der kgl. und unirersitatsbibliothek zu 
Breslau, die ans dem anfange des 14. jahrhunderts stammt und frflher dem jung- 
frauenstift zu Trebnitz gehorte, enthalt auf den leer gebliebenen stellen des bl. 166 ' 
und 156 T in den text ernes psalterinm per hebdomadem von etwas spSterer 
hand eingetragen den folgenden text, der in seinem lantstande fur die Susserste 
ostliche grenze des mitteldentschen sprachgebietes ein ratsel ist. Von alemanischem 
einflusse, an den man denken konnte, ist in der sonstigen schlesischen iiberlieferang 
nichts zu spiiren. In dem anf dem unteren rande von bl. 156 r nachgetragenen 
schlussstiickcbeu, das das dreizehnte bis fiinfzehnte paternoster nmfasst, scheint 
wegen des raummangels der text gekiirzt zu sein. 

[156 r ] Got der lert enen sinen frvnt fv/cenhen pater noster vnd as wil and 
nutria, steer dv sprachi, der enphienge nvn groze nvze davon. 

der erst nvz ist, surer dis gebet sprichet, dvrch den util ieh fvfeenhen sela er~ 
losen von dem fegefure vnd fvfeenhen svnder bekeren von yren svnden vnd fufcenhen 
miner grrtten frvnde wile ich bestategen an gvtem leben, ym selber u>U ieh gen hter 
vnd rehte erkantenvste fvfeenhen tage vor synem tode vnt toil yn spisen mit mmem 
lichamen widen (!) den ewige hvnger vnd wil yn trenken wider den ewigen dvrst mit 
minem blvte vnd mil min ervee fvr si secen ze einem scilte fvr alle yr finde vnd wil 
selber dar cvmen mit miner muter vnd wil yr carten als eyn gemahel billich sol siner 
gemahel [156"] vnd ml si mit mir bringen sv den himelschen genaden vnd als ich 
si dar bringe, so wil ich yr zarten vnd wil yr schengen von dem brvnen miner got- 
hait, das ich den anderen nyt wil dvn, die sich dar an nit hant gevbet. 

Das erst pater noster solt dv sprechen der zerdennvge aller miner lider. 

das ander den fvr stvmphen nagel, mit den mir hende vnd fvse dvrchgraben 
wrden. 

das dritte der zerlosvnge aller miner lider, also das yeyn lid nyn belayp an 
siner stat. 

das ftfte der flvht aller miner frvnde bis an mine muter vnd an Johannem 
vnd Maria Magdalenam vnd ander frowen, an den doch luzel helf was. 

das sehste dem rofe, do ich sprach: mich dvrste, nit nach dehenem draneke, 
wan nach dem hayle des menschen. 

das sibende dem bittern tranche, do mir gemvschet der essich mit der gaUen. 

das ahtot der svnderlichen pine, do ich sach in dem Spiegel der gofhait, das 
min marter an so manegem solt ferlore werden. 

das nvnde, do ich sprac: min got, warzv hast dv mich ferlan. 

das sehende, do ich roftte vnd sprach: voter, ich enphUhe minen gayst in 
dine hende. 

25, 1 Aue maria czarte juncfrou reine 26, 4 der behalter einer mize sin. 



gg KLAPPER 

das ailft der ferzervnge alter miner kerefte; doch ich der gottes svn wari, do 
was als kvmche an dem crvce, das ich aynen habi ab der erde nit mehre han ge- 
hebet von menschelicher craft. 

das cevelfte der fersicendvge attes mines blvtes, wan ich was alse gar ane blvte 
a[n] dem crvce, als Adam, do ich in geschvf von dem leime des erteriches, da en nam 

Mit nam geht seite 156 T zu ende; dort steht ein verweis auf den rest, der 
mit der bemerkung dis drv iungesten horen henvber auf dem unteren rande von 
bl. 156 r nachgetragen ist. 

[156 r J das dricenhende der brqti alter miner wvnden. 

das viercenhende der tiefi alter diner(l) uunden 

das fvnfcenhende der manniefalti alter diner (!) wunden, der waren nvn hvn- 
dert vnd nvn tvsent vnd drige ane die fvnf wnden. 



Beschwonragsformel. 

Die papierhandschrift I. F. 54 der kgl. und universitatsbibliothek, die friiher 
in die bibliothek der Corpus-Christikirche zu Breslau gehorte, enthalt als erstes 
stuck die postilla in cant, canticorum des Nicolaus de Lyra. Dieser teil schliesst 
bl. 88 Tb : Explicit liber textus IIII or ewangelistarum per manus Nicolai meus sacer- 
dotis non vero bene scribentis anno domini MCCClxxix . In unmittelbarem anschluss 
folgen von gleichzeitiger hand mebrere lateinische formeln fur salz- und wasser- 
weihe und fur die beschworung besessener; ihren abschluss bildet bl. 91 r & die fol- 
gende deutsche formel: 

[91 rb ] Von der gewalt des almechtigen gotis des vatirs vnd des sones vnd des 
heligin geistis vnde von der geicalt sente Marten, der mutir unsirs It/bin herin Jhesu 
Christi, vnde von der gewalt sente Michahelis vnde allir engil vnde von der gewalt 
sente Johannis, gotis toufer, vnde allir patriarchin vnd prophetin vnde von der gewalt 
sente Petirs vnde sente Paulus vnd allir apostolin vnd ewangelisten end von der ge- 
walt sente Steffani vnd allir merterer vnde von der gewalt sente Niclaus vnde allir 
bichteger vnd von der gewalt sente Katherinen vnd allir iunevrowen vnd von der 
geivalt alter heligin, dy in deme himmelriche vnd uf deme ertriche syn, vnde von 
der gewalt, dy der byschof gybit deme prfster myt den wortin, dy goth selbir czu 
sente Petir sprach: was ir bindit, das sy gebunden, vnde teas ir entpindet, das sy 
vntpundin yn hymtnel vnd in ertriche, [91 va ] wen ich denne dy selbe gewalt habe 
von der pristirlichen wirdicheit, So tu ich czu banne vnde vortume dich vnd vor- 
scheide dich von diner geselleschaft, du timet vnde alle dine genosen, vnd gebite dir, 
das du das ras salt rumen, das du den menscen nicht enschadist ividir an deme 
libe noch an den geledin, dy an den menschin sin, wedir an deme hopte noch an 
dem gehirne noch an den orn noch an den ougen, wedir an nasin noch an munt, 
wedir an der czungen nach an der kele, wedir an dem ruclcin noch an den schuldirn, 
wedir an armen noch an den hendin noch an den vingirn noch an den negiln, beyde 
an der brust noch an dem herczin, wedir an den knyen noch an den dien noch an 
den vusen noch an den czeen, vnde das du hin wek verst vnde das du nu noch 
nummerme kein mensche betrubin salt; das gebite ich dir in deme namyn des vatirs 
vnd des sonis end des heligin geistis. + Ich besuere dich hute, lucifer, [91< ,b ] du tuuil, 
mit alle diner bosen geselleschaft, vnde gebite dir by deme almechtegen vatir vnde by 
deme sone vnd by dem heligen geiste vnd by gotis namen, der do vorchtig ist + agla + 



MITTELDEUTSCHE TEXTE AUS BRKSLAUEK HAND8CHRIFTEN 89 

alpha + et o + ayos + otheos + yschiros + athanathos + eloy + elyon + Jhesus + 
Christus + Marian hint + Ich beswere dich by der ledemesunge vnsirs lyben herin 
Jhesu Christi + Ich beswere dich by syner heligen gebort vnd by syner helygen 
toufe + Ich beswere dich by syner bemidunge vnd by siner heligen vaste + Ich be- 
swere dich by sime heligen geuenknisse + Ich beswere dich by syme vorspottin vnd by 
syme vorspien vnde by sinen halsslegen vnd by alle syme anevechten vnde by symt vor- 
lachen vnde by syme geyselen + Ich beswere dich by syner dorninen kronen, dy *m wart 
gedrukt in syen gebeneditis houbet, das du das vas salt rumen vnd salt deme menschin 
keynen schaden nicht ent&n, wedir [92 ra ] an dem libe noch an dem leben, unde salt 
dynen wek varen; das gebite ich dir by deme lebinden ortel vnd by der ertbebunge, dy do 
geschach, do goth, vnsir here, an deme vronen crucze hink + Ich beswere dich by deme 
sper, das do wart gestochin gote in syen renys hercze + Ich bestvere dich by den 
brusten der mutir vnsirs lyben heren, dy goth myt synem czarten munde gesogin 
hoth -\- Ich beswere dich by der milch vnsir lyben vrowen, dy goth genamen von yrem 
meytlichen herczen, dy do wyser waz vnd is, wen der wyen + + + Ich beswere dich 
by den blutigen tropphen, dy gote vilen is syme reynen herczen + Ich beswere dich 
by deme antlicze vnsirs lyben heren Jhesu Christi, das vor grosir pyen synes lych- 
ammis an deme crucze bleich wart + Ich besieere dich by den dren naylen, dy em 
worden gestagen durch syne hende vnde durch syne vuse + [92 rb ] Ich besu-ere dich 
by der wandelunge, dy do entphyngen syne uwnden + Ich beswere dich by syme 
heligen gemartirten lycham + Ich beswere dich by syme crucze vnd by syner bitter 
marter, daz du wek varist vnde salt nummerme keyn mensehe betruben + Ich beswere 
dich hute, lucifer, du tuuel, mit alle diner geselleschaft, vnd gebite dir by dem heligen 
antlicze vnsirs heren Jhesu Christi, das du salt varen aldo hin, da du nimmer me 
keyn mensehe betrubist + Ich besieere dich by deme dorste, den her leyt, du her wart 
getrenkit myt essik vnd myt galle + Ich beswere dich by der letczten hulfe, der her 
begernde was von syme rater, du he sprach : myn got, der do ist aller creaturen got, 
durch teas zo hostu mich gelasen + Ich beswere dich by syme helygen grabe + Ich 
beswere dich by syme demutigen tode [92 ""J vnd by syner by graft + Ich beswere dich 
by syner uferstendunge + beswere dich by syner wundirlichen hymmilvart + Ich be- 
swere dich by deme hymmel vnd by der erden vnd by dem mer vnd by alle deme, 
daz darinne ist + Ich beswere dich by den heligin sacramenten der heligen cristinheyt 
vnd by alien gotis togenden + Ich beswere dich by der helygen iuncfrowen sente 
Marien, der muter vnsirs herin Jhesu Christi + Ich beswere dich by den engiln vnd 
by den patriarchen vnd propheten + Ich beswere dich by den apostolen + Ich be- 
swere dich by den helygen mertererin vnd by alien bichtegern + Ich beswere dich by 
den iuncfrowen vnde witwen vnde by alien gotis heligen + Ich beswere dich vnd gebite 
dir by gote vnd ouch by syner lyben muter, das du das vas salt r&men vnd salt 
dynen wek varen. In deme namen dez vatirs, des sonis vnde des helygen geystes. 
Amen. 

4. 
Bruchstiicko ernes osterspiels. 

Die handschrift IV. Q. 161 der kgl. und universitatsbibliothek zu Breslau, 
frtiher in die bibliothek der Breslauer Dominikaner zu s. Adalbert gehorig, entstand 
im 16. jahrhimdert und enthalt auszuge theologischen inhalts, die sich fur predigten 
eigneten, meist legenden. Auf deu innenseiten des vorder- und riickdeckela ist je 



90 KLAPPER 

ein papierblatt 19,8 cm hoch und 13 cm breit aufgeklebt gewesen; ihre loslosang 
gelang trotz zabireicher moderstellen und rostflecken. Sie enthalten von einer 
hand des ausgehenden 14. jahrhunderts bruchstiicke eines lateinisch-dentschen oster- 
spiels. Der text ist grossenteils mit neumen im dreizeiligen liniensystem versehen. 
Die handschrift lag einst an der kette; an der stelle, wo am unteren rande des 
riickdeckels die kettenzwinge befestigt war, zeigt das losgelbste blatt einen starken 
riss mit textverlust. Die Marienklage, die das erste bruchstiick ausmacht, ist 
in versfonn nnd text naher verwandt mit der ans der Lichtentaler handschrift des 
ausgehenden 13. jahrhunderts bei Mone, Schauspiele des mittelalters I 27 ff. abge- 
druckten klage. Der abdruck der Breslauer bruchstiicke lost die zahlreichen ab- 
kiirzangen der handschriftlichen ttberlieferung auf; ergSnznngen stehen in klammern; 
die verse sind nicht abgesetzt; initialbuchstaben sind hSher nnd rot gestrichelt; 
der text ist teilweise rot dnrchstrichen und das versende durch rote striche ge- 
zeichnet. 

[I r Maria] 

wer hat seyn sper 
also her 
geneyget, 
daz her mich 
6 vnd aueh dieh 

zo iemerlichen scheydet? 

Grosser clage ist mir nSt. 
awe, leg ich vor dich tit! 
sun, voter, schopph' bistu meyn 
10 vnd ich dy arme miter deyn. 

Ach herre uater, Jhesu Crist, 
wen du aUer werld eyn scheppher bist, 
Gar suser vnd guter, 
Sich an mich vil armen muter. 
IB Sich an mich vil armen 

vnd la dich meyn erbarmen 
vnd tu eyn bezundir gnadt dor czu 
vnd sprlch eynyges wSrtel czu, 
das ich dar ertcerbe 
20 vnd das ich mit dir sterbe. 

Ach t&t was bitter ye, 
Ouch hastu meyn vorgesen hye, 
Sint du mir alleyne susse bist! 
ach tot, nu gib mir Tceyne frist 
25 vnd nim mit deyme smertzen 

daz leben meynes herczen! 

Dye sun dy birget iren schyn 
al der [werl]t gemeyne, 

1 bis 10 mit noten 6 zo tt. z. 10 ichjlch 13 vnd bis 14 an rot 

gestrichen 15 Sich bis vil rot gestr. 16 erbarmen vnd rot gestr. 17 dor 
czu bis 20 sterbe rot gestr. 21 bis 26 rot gestr. 22 hye] es folgt noch ein- 
mal daz ich daz erwerbe 25 nim mit] mt flir m m* 27 bis 48 mit noten 

28 werltj loch! 



MITTEIJJEUTSCHE TEXTE AUS BRBSLAUER HANDSCHKIFTEN 91 

dy erd dy bibet, do sye leit, 
30 auf cliben sich dy steyne. 

Falscher dyt du bru[I"]est nicht, 

was seyn gotheit brenget. 

aUez, das seyn augen an sen, 

noch seinem tot is ringet. 
35 Awe tot, awe tSt, 

tot, nim vns beide, 

das her ich aUeyne 

von disser werlde scheide 

also iemerlichen! 
40 eyn not mit notet, 

seyn blut mich rotet, 

seyn tot mich totet 

mit ym i/emer lichen! 

Awe mir, nu ist her tot, 
45 dar von newet sich myn not 

vnd myn yemerliche elag, 

dy ich clegelichen trag ! 

wo is csu . . . 

[II r Maria Magdalena] 

. . . gen. 
60 To, han ich vorlorn 

meynen trost, 

der mich von sunden hat irlost. 
Meynen herren Jhesum Crist, 
der aUer world eyn scheppher ist. 

Jhesus respondet. 

55 Gut weip, so rat ich dir das: 

such deyn herren vorbas. 

[Magdalena] 

Dolor crescit, 
tremunt precordia 
de magistri 
60 mei absenda, 

qui saluauit me 
plenam uiciis, 
pulsis a me 
septem demonijs. 

31 Falscher] erstes * tt. z. 36 nim] nimn 42 sef tot 8. z. 46 dar 

von newet fiber d'fsekjone wz 49 bis 66 rot gestr. 57 bis 82 noten 60 meift 



92 klappei: 

65 Meyn leit daz wechset, 

meyn hercze gar betrubit ist. 

meyn heil enwechset, 

sint Jhesus irstorben ist. 

Awe, daz ich ye wart geborn ! 
70 wy han ich Jhesum mi vorlorn, 

der mich troste, 

von siben towelin irloste! 

[herjter smercz sack ich . . . 

[II V ] vil sundiges veyp. 
lb mit vrillen seynes herczen 

vorwan seynen leip. 

Her leyt groze not 

durch meyner zelen tot. 

der mir dy sunden meyn vorgab, 
80 den sach ich ligen eyn eyn grab, 

hev hev hep, ut supra. 
We we we, ut supra. 

[Jhesus] 
Mulier, mihi dicas, quern queris. 
Sag mir, vil betrubtes weyp, 

85 Was peynygest du deynen leyp ? 

Maria Bespcndet. 
[DJomine, si tu sustulisti eum, dycito mihi, 
aut vbi posuisti eum, ut ego eum tollam, 
alleluia. 

Gut man, das got deyn wal[te], 
90 [wo] hast dv eyn yndert behalten, 

Deyn wil liben herren [meyn]? 
Daz sag mir vz dy trewe deyn. 

Jhesus dicit. 
Gut weip, [la dy]n zagen, 
Den du suchest, der ist erhaben 
95 won dem to[t, er i]st gesvnt, 

Daz say ich dir czu deser stunt. 

Maria subiungit. 
[Gut] man, mich dunket an der rede deyn, 
wy du seyt der herre me[yn] ; 
[Marijan sun, Jhesus Crist, 
100 sag mir, ob du ist bist. 

66 mey ti. z. 67 enwechset] en, neue zeile vchs 70 f. mich troste 

ion siben iiber gestrichenem sfben vm mich 73 herier] loch! nacb. ich nn- 

lesbares wort von etwa drei grundstrichen 73 f. ist wohl zu lesen : nie sach 

herter smerczen \ ich vil sundiges veyp 82 ut supra u. z. 83 bis 85 rot gestr. 

86 bis 88 mit notea 86 D und alle folgenden eingeklammerten stellen, ver- 
lorener text infolge von moderlochern. 99 Marian] nur lesbar an 



MITTELDEUTSCHE TEXTE AUS BRESLATJEK HANDSCHRIFTEN 93 

5. 

Bettellied Breslaner stndenten. 

Die handschrift I. F. 600 der kgl. und universit&tsbibliothek zn Breslau ist 
im jahre 1461 Ton Nikolaus Nedirbeyn in Lemberg geschrieben und von dort in 
die schule der Breslauer Corpns-Christikirche gebracht worden; hier erfolgte kurze 
zeit darauf die eintragung der lateinisch-deutschen bettelyeree auf der innenseite 
des Torderdeckels. 

Beyde groz vnd cleyne, 

domine digne, 

mit euch freut sich gemeyne, 

venerabilis atque benigne. 
5 Dy do synt ewir knecht, 

Scolares qui sunt, 

dy do wellin lebin recht, 

in scola corporis existunt, 

Thun ewir libe kunth, 
10 Cartam hanc legant 

aws gantzem eren herczengrunt 

cum nuntio quoque presentant 

Vnd thun euch bekant 

Per baiulum vnum — 
15 seyn namen ist nicht genant — 

qui est de turma eorum: 

Vnsser begere dy ist groz, 

Munera rogantes, 

vnd ouch vnsser metgnoz, 
20 vestra quoque dona petentes. 

Wer do vns icht wil gebin, 

Hunc deus extollit 

noch desim dorftigen lebin 

ad summum oilmen honoris. 
25 Dorumme allir lebin heylgen cron, 

Quern pietas mollit, 

sal seyn seyn ewiges Ion, 

ad dandum dona fauoris. 

Vnd wir sprechin alle: 
30 Non diu tar dare! 

mit ganczer stymme schalle 

racione[m] dicimus, quare. 

Wir clagin mit ganczem hertzen: 

Sumus detenti 
35 vnd leyden grosin smertczin 

ergastido nunque sedenti. 

Wenne wir wenig han, 

Ergo clamemus. 

daz loze wir euch vorstan, 



94 KLAPPER 

40 quod panca semper habemus, 

Das vns mag geschen, 
Ut gratulemur, 
alze wir mogin yehen 
vnanimiter atque letemur, 

45 Wen vns ist gegebin 

In Jhesu domino 
naturlich czu lebin, 
fruimur pane cottidiano. 
Und ho/fin gemeyne: 

50 Qui est in eelo, 

beyde groz vnd cleyne, 
det viuere simul in vno, 
Das wir komen dar 
Quisque in celis 

55 czu der engil schar, 

partem capiatque fidelis, 
Das vns alien werde gegebin 
Ob hoc solamen 
das ewige lebin; 

<50 dieamus pariter: amen. 

Ex parte sociorum 
scole Corporis Cristi. 



Aus einer deutschen verslehre. 

Die pergamenthandschrift IV. Q. 156 der kgl. nnd universitatsbibliothek zu 
Breslau, unbekannter herkunft, enthalt lateinische legenden, die im jahre 1363 von 
Johannes de sytelbize per tunc capellanus in wizzomels geschrieben sind. Auf 
bl. 247 T bis 248 * hat eine andere bedeutend sp'atere hand im ausgange des 15. jahr- 
hunderts die folgenden vers- und strophenschemen eingetragen. Sie verdanken 
ihren ursprnng dem bestreben, gleichmassigen wechBel von nnbetonten und betonten 
silben verbunden mit dem prinzip der silbenzahlung durchzufuhren. Die einfuhrung 
lateiniacher terminologie ist bedeutungslos ; ricmus spondaicus und iambicus bezeichnen 
den aus betonter und unbetonter silbe (beziehungsweise umgekehrt) zusanunen- 
gesetzten versfuss. Einige gebilde zeigen im versinneren reim, der als consonancia 
oder concordancia propria bezeichnet ist. Paarweiser reim ist ricmus bimembris, 
dreireim ricmus trimembris genannt. Die strophen zeigen vier- sieben- und acht- 
silbler, teilweise gemischt; durch den reim sind nur verse gleicher silbenzahl ge- 
bunden. Die reimbindung wird als correspondeciam habent bezeichnet. Einige 
verse enthalten leicht zu bessernde iehler; auch die vorangestellten erklSrungen 
«nd nicht fehlerfrei. 

[247 v ] Ricmus spondaicus tetrasilbus bimembris 
Got gebe vns heyl. 
zcu Bom ist veil 
des aplass vil. 
wer Jeeufen unl, 



MITTELDEUTSCHE TEXTE AUS BRESLAUElt HANDSCHRIFTEN 95 

dem icil ich rot, 
daz her gar drot 
sal lernen wal 
dy gulden czal. 
fele ym dy ich, 
Er sehafft mit nieht. 

Ricmus spondaieus bimembris 8 silbarum. 

Nu welcher sich das vormess, 
das her eyn jar ym scholder sess 
vnd trebe eyn jar der scherger recht 
vnd wer eyn jar eyn bader knecht, 
Ein jar rvmb yn der freyheyt liffe, 
eyn jar als yn der badestub slieff, 
Eyn jar eyn wirt ym frawn hans, 
do umrd eyn gutter bichtiger auss. 

Ricmus trimembris spondaieus 4or silb. 
ohne deutsche probe. 

Ricmus spondaieus bimembris ior silb., cui quintus spondaieus adi- 
eitur ex septem constans, qui correspondenciam deniqne habet post 

quatuor sequ entes. 

Geselle meyn, 

du furst groz peyn 

in deinem sind, 

als ich mack jind 

vss dem sussten schauryn ' 

das, wenn ich sold, 

mit gu[njst ich wold 

dir cseig gar drot 

deins herczyn noth: 

dich ez[u>]inget gross libe der fratcen. 

Ricmus trimembris spondaieus 4or silb., cuius quartum et octavum 
correspondent sibimet in octo* silb. et consonancia. 

Czarth frew vnd her, 

ah mir nu wer 

jm hercsen swer, 

sold euch nemen keyn wunder. 

Eyn frewlich bilde 

liplich vnd mild 

hat sich meyn wild 

vorstrickt yn lieb besunder. 

1) hs. : schawyn sussten. 

2) falach; septem. 



96 KLAPPEK 

Kicmus spondaicus bimembris quatuor silbarum in tercio me'mbro 
et sexto correspondens in spondaico septem silbarum. 

Ich hat gemeynt, 

wir wern voreint 

In libe uf beyder leben. 

Ich bin betort, 

ieh hab gehort, 

sy weld mir urlaub gebyn. 

Biennis spondaicus quatuor silbarum trimembris in IIII VIII XII 
XVI correspondenciam habens spondei septem silbarum. 

Geselle gut, 

ab dich ir mut 

betrigen thut, 

daz kumt von deinen schuldyn. 

vorlarn ich sag 

dem jungen tag, 

dir was gar gag, 

viln freulin wolstu hulden. 

gestu vnreil 

ecu gleychem teil 

am narren seyl, 

saltu mit leyden duldyn. 

gedencke, daz neyt 

dir weder geyt 

sulch gleyche czeyt, 

do mit du hast vorguldin. 

Eicmus iambicus 8 silbarum. sequitur spon.7 quarto correspondens 
et a diunctus altero. ex prioribus dulcior conficitur. 

dariomb muss ich in trewren dal 
vnd weyss mich yn rug zcu wenden; 
ah frewyn volck ist trugens val, 
listig an alien enden. 

Ricmus iambicus 8 silbarum. in primis quatuor consonans prop rie, 
cuius fini tercium membrum cor respondet, secundum quarto. 

[248 r ] Man spricht: gar leycht ein jungen czwig 

magstu nach willyn lenckyn. 

jch wold, mir sold ergehyn des gleych, 

vff sy wart ich gedencken, 

vmb dacz sy was noch vngelert 

jn iarn, jn weyss, in sitten; 

Meyn trew, gar new vnd vnuersert 

begundi ieh ir zeurbittyn. 



MITTELDEUTSCHE TEXTE AUS BRESLAUER HANDSCHRIFTEJf 07 

Ricmus jambicus bimembris 8 silbarum in tercio et sexto corre- 
spondent spondaico. 
Gar gem, xprach sy gar houiclich 
mit grosser vorcht una" czuchticlich, 
welde sy meyn erwerben; 
tees ich vor ir ye wurde begem, 
des welde sy mich al czeyt gewern, 
meyn eygyn welde sy ersterbyn. 

Et si subnectitur iambicus 8 silbarum cum spondeo 7, ita quod 
primum tercio, secundum quarto correspondeat, pulcrum fit. 
Der wort hab ich sy offt ermant; 
es brengt mir heynen fromen. 
wort seyn an ir so vil gesandt; 
so(mit) ' geb ich sy einen tummen. 
Sy hat ersehen eyn ander necs, 
zcu dem wit sy sich smigen. 
Sy sehe doch zcu hyn off dy necz, 
der vinck mocht ir entfligyn. 

Ricmus spond. 7 silbarum, quern subsequitur spon. 6 in tercio 

correspondens. 
Geselle, dich hat betragyn 
der wan der sinnen dein. 
das czweig wirt dir geboggn 
vnd volgt dem willen dein. 
doch merche, ab du wurst icichyn 
vnd sein nicht nemen war, 
ein ander giht des glichyn; 
nacht willyn boyn sy sich zcwar. 

Ricmus iambicus 8 silbarum in tercio correspondens et in 2 r et 

quarto par consonancia parque ricmus, cuius in primis quatuor 

quandoque concordia propra pulcrior apparet. 

Ich qwam gar spot hyn vor dy tor; 
Ich hatt aff sy lceyn argyn wan. 
der rigel was gestossen fur. 
Gar leys begund ich Jcloppen an. 
Sy sandt zcu handt ein dim zcu mir; 
sy sprach, dy czeyt wer tmger[eit], 
icenn beyde bruder wern bey er. 
snick falss list was ir gar riss; 
Ich narr vor star r da vor dem haus, 
ab sy mich icht weld trosten wol. 
dy starn dy warn al flogyn aus, 
das nest was fremder starche vol. 

1) hs.: m. 
ZEITSCHEIFT F. DEUTSCHE PHILOLOGIE. BB. XLVH. 7 



98 MICHAEL 

Ricmus spondaicus bimembris octo silbarum in tercio et 6to habem 
spon. VII silbarum 1 , cuius usus communis. 

Also geschit dem jungen man, 

der nicht seyn libe vorstveigyn lean; 

das nest wirt em vorstorth. 

ab ym seyn frundt gut trawyn geit, 

erwirbt sein bests dach yn der czeyt. 

ich bin auch so betoreth. 

Ricmus iambicus 7 silbarum iambicarum. 

Grosse trunk vnd synewel 
Smeckyn wol in der kel. 
trinck vss! 

BRBSLAU. JOS. KLAPPER. 



Schulkomodie in Konstanz, Biel nnd Augsburg im 16. jahrhundert. 

In dem briefwechsel der brttder Blaurer, den Traugott Schiess herausgegeben 
hat (Freibnrg i. Br. 1908—12, 3 bde.; im folgenden kurz Bl. br.), flnden sich einige 
beitrage zur kenntnis des schuldramas im 16. jahrhundert, die hier mitgeteilt werden : 
Schulkomodie in Konstanz. 

Seit dem jahre 1526 lehrte Ludwig Lopadius aus Mnnsterlingen, der im kreise 
der Blaurer in bestem ansehen stand, in Konstanz alte sprachen und veranstaltete 
mit seinen zoglingen wiederholt deklamationen und schulauffiihrungen. Ostern 1529 
liess er eine komodie des Plautus auffiihren (Bl. br. I, 185). Im gleichen jahre 
schreibt er an Zwingli : '. . . egi Comoedias publice Terentianas quidem quatuor, ac 
Plauti duos' 1 (Zuingli opera, Turingi 1842. VIII, 343). Dann horen wir erst 1532 
wieder von ihm. Er schreibt am 8. jannar an seinen studiengenossen und freund 
Thomas Blaurer: 'Seit zwei oder drei jahren haben wir keine komodie mehr auf- 
gefuhrt, weil die kummervollen zeiten anderes forderten. Jetzt aber denke ich 
wieder danui, falls du zustimmst. Es gibt nSmlich leute, die knaben aus meiner 
schule zu einem deutschen spiel beniitzen, nnd ich furchte, dass dies meiner schule 
schade. Deshalb mochte ich selbst meiner lateinischen schar einige last anflegen' 
(Bl. br. I, 311). Hier also wie anderwarts eifersiichteleien zwischen schulmeister 
und theaterlnstigem burgertum. Welcher art das deutsche spiel war, wissen wir 
nicht; Bachtold erwahnt Konstanz iiberhaupt nicht. Wieder drei jahre sp'ater, am 
15. april 1535, kfindet er Ambr. Blaurer eine dramatische ubung an : 'Nnn will ich . . 
den Akolastus auffiihren, den ich den Stncken des Terenz fast gleichstelle' (Bl. 
br. I, 682). Den erfolg teilt er dem freund am 15. jnni mit : 'Den Akolastus haben 
wir unter grossem beiiall au^efahrt' (Bl. br. I, 707). Bereits Schiess hat darauf 

, 1) hs. : VIII silbarum.